Bootstour von Sierpe auf dem Estero Azul

Der Regen hat zum Glück am Morgen aufgehört und so starten wir direkt nach dem Frühstück nach Sierpe zu unserer für 12 Uhr geplanten Bootsfahrt durch. Wegen der ständigen Wechsel der Geschwindigkeiten kommen wir nur langsam voran. Die Höchstgeschwindigkeit in Costa Rica beträgt auf Landstraßen 60 km/h, außer es sind 80 km/h beschildert. In jedem kleinen Weiler mit 3 Häusern geht die Geschwindigkeit der Transitstraßen auf 40 km/h herunter, neben Schulen mit anwesenden Kindern, sind nur 25 km/h erlaubt. Da die Strafe für mehr als 20 km/h zu schnell bei ca. 600 USD liegt fährt Helmut regelkonform – sehr zum Ärger vieler Ticos, die uns überholen, wo immer es geht – Geschwindigkeitsregeln hin oder her. Zudem kommt es häufig vor, dass auf der Straße 60 km/h steht und 5m dahinter ein Schild mit 40 km/h, oder die Schrift auf der Straße ist so abgefahren, dass man sie kaum mehr lesen kann. Durchblicken ist da kaum noch möglich, aber es nervt!

So ziehen wir oft eine Schlange hinter uns her, wohl wissend, dass die Begrenzung schwachsinnig ist wir an dieser Stelle auch gerne schneller fahren würden. Aber in Deutschland sind wir ja auch auf bestem Weg dahin!

Wie gesagt, wir kommen nur langsam voran, erreichen Sierpe um halb zwölf und melden uns beim vereinbarten Tourenbüro an. Auf unser Boot müssen wir noch etwas warten, denn irrtümlich hatte man uns für 9:00 Uhr erwartet! Wir gehen nebenan etwas trinken, und schon hat man alles für uns neu organisiert, so macht einfach man das in Costa Rica. Dann beginnt auch schon die 3-stündige Fahrt. Wir sind die einzigen Gäste, was uns sehr freut, das Boot gehört uns, man kann schnell mal die Aussichts-Seite wechseln und stört keinen.

Moses zeigt uns zuerst den Rio Sierpe mit seinen Mangrovenwäldern und den Richtung Meer schwimmenden Wasserlilien, die sich gerne mal in der Schraube des Bootes verfangen. Wir sehen ein in der Sonne liegendes Krokodil, einige Vögel, und kurz darauf hat Moses einen Trupp Totenkopfäffchen erblickt, die hinter großen Bambuspflanzen durch die Baumkronen klettern. Danach macht sich unser Guide in einem schmalen Nebenfluß auf die Suche der standorttreuen Boa, aber diese hat heute andere Pläne und lässt sich nicht blicken.

Anschließend biegen wir ein in einen den Estora Azul, einen größeren Nebenfluß. Wir begegnen Reihern und kleinen Strandläufern, am Ufer gibt es viele Wohnhäuser mit schöner Bepflanzung. Dann hört die Bebauung auf und nur noch Urwald umrahmt den Fluß auf beiden Seiten. Dreißig Meter höher erwischt die Kamera in einer Baumkrone mehr dokumentarisch als schön einen bunten Ara. Geier sitzen auf den Bäumen, Moses zeigt uns ein Faultier hoch oben. Auf dem Dokumentarfoto ist das nur ein beiger Fleck, weshalb wir hier darauf verzichtet haben. Kurz sehen wir einen Tukan, aber das Highlight sind die Affenfamilien, die z.T. bis auf einen Meter ans Boot herankommen. Meist sind es Gruppen von Kapuzineraffen.

Wir haben ein sagenhaftes Glück mit dem Wetter, gestern wäre der Ausflug in Wasser gefallen – aber komplett, heute fast durchgehend Sonnenschein.

Um 16 Uhr sind wir zurück und nehmen im Restaurant noch ein Mittagessen ein bevor wir uns auf den Weg ins 100 km entfernte nächste Übernachtungsdomizil machen.

Der Weg zur Yabá Chigui Lodge geht von der geteerten Hauptstraße ab, eine ungeteerte, schmale Piste steil hoch und dann mehrfach ebenso steil bergauf, bergab 3 km ins Hinterland. Zum Glück ist es noch einigermaßen hell und wir folgen ungläubig den Hinweisen auf der Strecke. Irgendwann sind wir dann auf dem kleinen Parkplatz unseres B&B angekommen. Der fast 80-jährige Besitzer erwartet uns schon und zeigt uns unseren Bungalow, einen von 4 Unterkünften, die er betreibt, seitdem er und seine Frau sich vor 10 Jahren in den Unruhestand begeben haben. Davor war er Wirtschaftswissenschaftler, Wissenschaftsjournalist und jahrelang Botschafter von Costa-Rica in fernen Ländern. Wir wohnen modern und chic mit Terrassen überm Bach direkt am Regenwald, viel Glas und einem großen Bett mit Blick ins Grün.

Dankbar richten wir uns ein und lassen uns vom alsbald einsetzenden und immer stärker werdenden Regen, zusammen mit dem Ruf des Regenwaldes, in den Schlaf lullen…

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