Die Skelettküste und ihre skurrile Pflanzenwelt

Heute scheint leider keine Sonne, und da wir keinen Wetterbericht (s.o. kein Internet) abrufen können fahren wir halt in warmen Kleidern unter der Nebeldecke nach Norden Richtung Skeleton Coast NP. An den Abzweigen zum Wasser sehen wir alle paar km Autos auf der Düne sehen und Fischer, die ihrem Wochenendvergnügen Angeln nachgehen. Die endlosen blassgelben Flächen wechseln ab mit dunkleren Steinen. An einer Ecke mit weißen Quarzsteinen halten wir an und entdecken gelb blühende Blumen, winzige Pflanzen mit 2 mm großen Blüten, Büsche, die in Sandhaufen stehen und bodentiefe, gelbrote Pflanzen: Es sind Lithops-Sukkulenten, auch lebende Steine genannt. Die Wüste muss man entdecken, im Vorbeifahren bemerkt man vieles gar nicht. Wir kommen an 2 Schiffswracks vorbei, die meinsten der zahlreichen an dieser unwirtlichen Küste gestrandeten Schiffe sind längst von der See zurückerobert oder nur aus dem Flugzeug sichtbar.

Nach 80 km kommen wir zum Tor des Skeleton Coast NP. Hier sind wie überall die komplizierten Eintrittsrituale zu meistern. Angabe von Name, Auto-Nr., Nationalität (davon hängt der Eintrittspreis ab), wie lange man im Park verweilt usw., alles in gemächlichem Schneckentempo. Hier macht das noch Sinn, denn sollte man einen Unfall haben oder mit dem Auto liegen bleiben, sucht einem dann jemand.

Direkt nach dem Eingangstor die große Überraschung: der Fluss Ugab hat hier eine riesige grüne Oase hinterlassen. Büsche, halbe Bäume, Blumen, Sukkulenten und Vieles mehr füllen das 200 m breite Flussbett. Das Ergebnis der Regenfälle von Jan.-März. Danach kommt wieder ziemlich leblose Wüste. Wir fahren 20 km bis zur nächsten Flussmündung. Hier stehen in einer Lagune zahlreiche Flamingos und Kormorane. Der Boden ist teilweise noch matschig. Wir können nicht ausmachen ob es Salzwasser oder Flusswasser ist, und an der Oberfläche ausgetrocknet erkennt man diese Flächen kaum. Mit dreckigen Schuhen kehren wir zurück zum Auto, vorbei an den Informationstafeln. Darauf wird auch vor Löwen gewarnt. Helmut meint zuerst Seelöwen, aber das Bild zeigt richtige Löwen. Da wird uns etwas mulmig, denn die vielen bewachsenen Sandhügel sind eine super Tarnung für Löwen und die Tatzenabdrücke, die ich im Sand gesehen habe, bestätigen, daß es sie gibt.

Unser Endziel ist die zurück gelassene Ölbohrplattform von 1975. Inzwischen ist die Kormorankolonie, die wir vor 21 Jahren noch gesehen hatten, auch ausgezogen, denn der Ausleger ist komplett zusammengebrochen. Dafür waren sicher weniger die Kormorane als die aggressive Seeluft verantwortlich.

Wir kehren zurück zum NP Gate, melden uns ab und fahren zurück zur Lodge. Inzwischen ist es Nachmittag und die Sonne schafft es zaghaft durch Wolken und Nebel. Dabei sehen die weißen Flächen in der Sonne aus als hätte es gerade geschneit. Wahnsinn, was der große Scheinwerfer ausmacht. Zurück in der Lodge sind wir nach 240 km reif für ein Bier und ein bisschen Ruhe. Leider fällt der Sonnenuntergang mangels Sonne aus. Aber die nette Bedienung muntert uns auf und wir beschließen den Abend mit einem Drink an der Bar.

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